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Grischa Sutterer: Islamismus

1 Leave a comment on paragraph 1 0 Im Kalten Krieg standen sich auf den Ebenen der Ideen und politischen Formationen zwei konträre Ordnungsvorstellungen gegenüber, die jeweils einen universellen Anspruch geltend machten. Gleichzeitig hatten diese eine ordnende Funktion für den Ablauf der Geschichte, da sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft jeweils in den Rahmen eines teleologischen Fortschrittsnarratives eingepasst wurden. In der politischen, ökonomischen und nicht zuletzt kulturellen Praxis bedeutete dies die Durchsetzung der parlamentarischen Demokratie und der Marktwirtschaft in den Staaten des „Westens“. Im „Osten“ bildeten die Ein-Parteien-Diktatur und die planwirtschaftliche Ökonomie die strukturellen Rahmenbedingungen für die Gesellschaftsentwicklung. Blickt man auf die Dichotomie zwischen Ost und West lässt sich trotz aller Unterschiede, Rivalitäten, großen und kleinen Konflikten auch eine gemeinsame ideelle Achse ausmachen. Die politischen Ordnungsvorstellungen des Westens sowie des Ostens formierten sich nicht nur um eine zwar antagonistische aber gemeinsame geteilte binäre Logik. Darüber hinaus traten beide Systeme  mit dem Anspruch an, eine entsprechende Alternative zu ebenso traditionellen wie partikularen nationalen oder religiösen Gesellschaftsordnungen zu schaffen. Die Ideologeme, Ziele und Mittel hierzu waren zwar unterschiedlich und konnten als Antagonismen gegeneinander in Stellung gebracht werden. Der gemeinsame Kern von Modell West und Modell Ost gründete jedoch darauf, die Herausforderungen der Industriegesellschaften zu bewältigen und diese sinnvoll organisieren zu können. In Bezug auf die im Prozess der Dekolonisierung entstandenen Staaten der „Dritten Welt“ bedeutete dies das Angebot zweier alternativer Wege für die Transformierungen ihrer Gesellschaften in Richtung der industriellen Moderne: einmal in Form der Modernisierungstheorie und einmal in Rahmen der marxistisch-leninistischen Geschichtsteleologie.[1]

2 Leave a comment on paragraph 2 4 Alternativen zur bipolaren Ordnung der Welt gab es seit Beginn des Kalten Krieges sowohl auf epistemologischer als auch polit-organisatorischer Ebene viele. In Bezug auf die Dritte Welt sei hier auf die Beiträge in diesem Sammelband über die Bewegung der Blockfreien und der supranationalen Staatenorganisation ASEAN verwiesen. Als epistemologischen Zugang zur heuristischen Einordnung dieser außerhalb und gleichzeitig in Bezug zum Kalten Krieg stehenden Phänomene schlagen die Herausgeber dieses Sammelbandes die Figur des „Dritten“ vor.[2] Das Dritte trat insbesondere im „epistemologischen Ausnahmezustand“[3] des späten 20. Jahrhunderts in der Form verschiedener Phänomene auf, welche die bipolare Ordnung des Kalten Krieges in Frage stellten. Dabei entwickelten manche dieser neuartigen Erscheinungen die Tendenz, in den Prozessen der politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Konflikte die binäre Logik durch eine Neukonfiguration der beiden Pole umzucodieren. Daraus ergaben sich – je nach Standort – komplexe Mischungen aus Erstem, Zweitem und Drittem. Aus der Sicht eines vermeintlichen Dritten konnten so das westliche und östliche Ordnungssystem des Kalten Krieges zu einem einzigen Gegner verschmelzen, der im Rahmen einer universellen wiederum binär codierten Freund/Feindunterscheidung bekämpft werden musste. Damit gestalteten sich die Verhältnisse neu: Erstes und Zweites verschmolzen zu einem einzigen neuen Ersten und das einstige Dritte wurde nun zum Zweiten. Der ehemalige Dritte bildete nun als Zweites einen Pol in einer globalen Auseinandersetzung. Der Referenzrahmen des Kalten Krieges wurde so einerseits durch ein Zusammenfassen der ursprünglichen Antagonisten in den Containerbegriff einer säkularen Industriemoderne zu einem neuen systematisch integrierten Feindbild transzendiert. Andererseits blieb aber gleichzeitig ein anderes Element seiner ideellen Achse, die für die Moderne und den Kalten Krieg typische Binarität beibehalten und in überzeitlichen Kontexten verortet.

Der politische Islam im Kontext des Kalten Krieges

3 Leave a comment on paragraph 3 2 Eine solche Figur des Dritten die sich aufmacht zum Zweiten zu werden ist der Islamismus. Die Analysebegriffe „Islamismus“, „radikaler politischer Islam“, und „islamischer Fundamentalismus“ können für die Fragen dieses Essays als Synonyme verwendet werden.[4] Mithilfe einer idealtypischen Abstraktion sollen zunächst diejenigen wesentlichen Charakteristiken dieses Phänomens herausgearbeitet werden, welche in Verbindung zum Referenzrahmen des Kalten Krieges stehen. Im zweiten Schritt werden die zeitgenössischen Deutungen und Einschätzungen des Islamismus im Westen und Osten analysiert und verortet. Die Entwicklungen und Ausdifferenzierungen des politischen Islams aus ideengeschichtlicher Perspektive sowie der politischen Organisation werden nicht näher betrachtet.[5] So wird auf die Spaltung in sunnitischen und schiitischen Islamismus sowie auf die Entwicklungsphasen einzelner islamistischer Organisationen wie der Muslimbruderschaft, Hamas oder Hisbollah nicht näher eingegangen.[6]

4 Leave a comment on paragraph 4 2 Der politische Islam als ideologische Herausforderung der universellen Ansprüche der beiden Parteien des Kalten Krieges tritt in das Bewusstsein sowohl der westlichen als auch östlichen Sicherheitsorgane, wissenschaftlicher Institutionen und Öffentlichkeiten durch zwei Schlüsselereignisse im Jahr 1979: die Iranische Revolution und der Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan.[7] Im Iran kam es im Jahr 1979 zur Machtübernahme Ruhollah Musawi Khomeinis, nachdem Schah Mohammad Reza Pahlavi zur Abdankung gezwungen wurde. Durch fortgesetzten Terror und die Überlegenheit in den Kämpfen auf den Straßen Teherans gelang es den Anhängern Khomeinis, den Weg zur Installierung der Islamischen Republik zu ebnen. Die Islamische Revolution im Iran wurde schon bald zu einem Ereignis von internationaler Tragweite. Mit der Geiselnahme in der amerikanischen Botschaft in Teheran im November des Jahres 1979 sowie der Bildung schiitischer Paramilitärs in mehreren Staaten, die bekannteste Organisation unter ihnen war und ist die libanesische Hisbollah, zeigte sich schnell die internationale Dimension der Islamischen Revolution.[8]

5 Leave a comment on paragraph 5 1 Ähnlich entwickelte sich die Situation in Afghanistan. Nach einem von der Sowjetunion unterstützten Staatstreich der Demokratischen Volkspartei Afghanistans (DVPA) gegen Präsident Mohammed Daoud Khan im April des Jahres 1978 zeigte sich die Instabilität des Regimes in Kabul. Im März 1979 kam es in der westafghanischen Stadt Herat durch Einwohner der Stadt, islamistische Verbände und Überläufer aus der lokalen Garnison der 17. Division der afghanischen Armee zu einem massiven Aufstand gegen das Regime. Der Widerstand verstärkte sich noch durch die sowjetische Invasion Afghanistans. Durch den Einmarsch bekam der regionale islamische Fundamentalismus starken Auftrieb, da sich nun die lokalen Stämme unter dem Banner der Islamisten im Kampf gegen die fremden Invasoren vereinten. Sie taten dies auch aus praktischen Erwägungen, da die islamistischen Gruppen als Schnittstelle für die pakistanische und später amerikanische Waffenversorgung fungierten. Des Weiteren wurde in den Augen weiter Teile der afghanischen Bevölkerung durch die sowjetischen Versuche das kommunistische Regime zu stabilisieren die Idee des säkularen Staates grundsätzlich diskreditiert.

6 Leave a comment on paragraph 6 1 Im Laufe des Afghanistankrieges entwickelte sich ein System, welches finanzielle Ströme und die Rekrutierung von Kämpfern aus dem arabischen Raum für den Krieg in Afghanistan koordinierte.[9] Eine wichtige Rolle spielte dabei Abdullah Azzam. Azzam, ursprünglich aus dem Westjordanland stammend, studierte von 1963 bis 1966  an der Universität Damaskus islamisches Recht und wurde an der Al-Azhar Universität in Kairo im Jahr 1973 promoviert. Insbesondere in Ägypten kam er dabei in das Umfeld islamistischer Kreise. Azzam befand sich damit zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um Kontakte zur islamistischen Bewegung Ägyptens zu etablieren. Nach weiteren Umzügen nach Jordanien und Saudi-Arabien war Azzam zu einem der am besten vernetzen Akteure innerhalb der in nahezu allen arabischen Staaten etablierten Muslimbruderschaft geworden. Diese Verbindungen nutzte er schließlich, um Anfang der 1980er im pakistanischen Peschawar unweit der afghanischen Grenze das „Dienstleistungsbüro (Maktab al-Chidamât)“ zu gründen. Das Ziel dieser Organisation war die Koordinierung der arabischen Freiwilligen für einen Guerillakrieg gegen die sowjetischen Truppen in Afghanistan. Von Peschawar aus wurden die Kämpfer auf die Schlachtfelder und Ausbildungslager in Afghanistan verteilt. Dabei entwickelte sich ab 1984 eine autonome Militärstruktur der arabischen Kämpfer im afghanischen Grenzgebiet. Peschawar war zu einem ideologischen Schmelztiegel und zur Kontaktzone islamistischer Freiwilliger und Kriegsabenteurer aus dem arabischen Raum geworden aus dem die seit Anfang der 1990er als Al-Qaida bekannte Terrororganisation hervorging.[10]

7 Leave a comment on paragraph 7 0 Khomeini und Azzam wurden durch ihre Aktivitäten zu zwei der wichtigsten Ideengeber innerhalb des islamistischen Milieus. Ihre ideologische Reichweite erstreckte sich dabei weit über ihren politischen Wirkungskreis hinaus. So wendete sich Khomeini in seiner Rede zum iranischen Neujahr am 21. März 1980 sowohl gegen den Westen als auch den Osten: “It is our duty to stand up to the superpowers and we have the ability to stand up against them, provided that our intellectuals give up their fascination with Westernization or Easternization (…). We are fighting against international communism to the same degree that we are fighting against the Western world – devourers led by America, Israel and Zion. (…) We should try hard to export our revolution to the world, and should set aside the thought that we do not export our revolution, because Islam does not regard various Islamic countries differently and is the supporter of all the oppressed people of the world.”[11]

8 Leave a comment on paragraph 8 0 Azzam verfasste 1984 eine Fatwa mit dem Titel „Die Verteidigung der muslimischen Gebiete ist die oberste Pflicht des einzelnen“. In jenem Dokument begründete er den „Dschihad“ als Gebot, welches bei einer Bedrohung der „muslimischen Gemeinschaft (Umma)“ zu einer persönlichen Pflicht des einzelnen Muslims wird: „Das heißt, dass Gott dem Menschen dieses Gesetz (Das Gesetz der Verteidigung) auferlegt hat, (…), anders gesagt, den Kampf zwischen Wahrem und Falschen, im Interesse der Menschheit, auf dass die Wahrheit herrsche und Gutes sich entfalte, und auch damit die anderen Religionen und die Kultstätten durch dieses Gesetz ausgelöscht werden (…).“[12]

9 Leave a comment on paragraph 9 1 Azzam schrieb diese Zeilen während des Afghanistankrieges mit dem Ziel, Muslime zum Kampf gegen die Sowjetunion zu gewinnen. Für ihn war die Umma in zwei Territorien mit auswärtigen Invasoren konfrontiert. In Afghanistan mit sowjetischen Invasoren und im Nahen Osten mit der vermeintlichen „Weltverschwörung“ der Amerikaner und Juden im Rahmen des arabisch-israelischen Konfliktes.[13] Beide Schauplätze erforderten sowohl für Azzam als auch Khomeini die Mobilisierung der gesamten muslimischen Welt zur Führung von Kriegen gegen den Westen und den Osten.

10 Leave a comment on paragraph 10 1 Diese beiden Zitate von Khomeini und Azzam stehen stellvertretend für viele weitere ideologische Traktate des radikalen politischen Islams, die in den 1980ern verfasst wurden und sich allmählich in den Staaten mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung und darüber hinaus ausbreiteten. In der aktuellen Forschungslage ist es Konsens, dass sowohl Khomeinis als auch Azzams Schriften in einer ideellen Kontinuität islamistischer politischer Ordnungsvorstellungen standen. Diese zeichneten sich durch die Legitimation einer politischen Ordnung durch den Rückgriff auf die postulierte „Souveränität Gottes“ in Abgrenzung zum westlichen Konzept der Volkssouveränität aus. Damit einher ging der Anspruch, dass islamische Normen einen totalen Ordnungsanspruch sowohl für das Privatleben als auch die ökonomische und politische Struktur eines Staates haben sollten. Die Kontinuität dieser Ordnungsvorstellungen reichten mindestens bis zu Hasan al-Bannâ, dem Gründer der Muslimbruderschaft in Ägypten während der 1920er Jahre zurück, wenn nicht sogar bis zu den Aktivitäten des panislamischen Denkers Jamâl ad-Din al-Afghânî Mitte des 19. Jahrhunderts, der den Islam als antikoloniale Ideologie in Stellung brachte, oder sogar bis zu den Wahhabiten und anderen vormodernen radikalen islamischen Reformbewegungen.[14]

11 Leave a comment on paragraph 11 1 Eine wesentliche Veränderung in der ideellen Konfiguration des radikalen politischen Islams, welche sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts anbahnte, war jedoch die explizite Wendung islamistischer Konzepte gegen den universalistischen ideologischen Anspruch des Westens und Ostens. Dabei wurden zum einen mit der Binarität und zum anderen mit dem Universalismus Elemente der ideellen Achse des Kalten Krieges übernommen. Die USA und die Sowjetunion waren beide „satanische Mächte“[15]. Sie verkörperten das Doppelgesicht einer säkularen Weltordnung, die sich vermeintlich gegen die Muslime richtete. In die Beschreibung dieser Gegner flossen dabei oft Ideologeme aus europäisch-amerikanischen ideellen Formationen der politischen Ränder ein, so die antisemitisch grundierte „Weltverschwörung“, die beispielsweise in den Schriften Azzams als weltumspannendes politisches Netzwerk der Juden und Amerikaner zur Unterjochung der Muslime gedacht wurde.[16] Darüber hinaus bot der Antisemitismus auch eine Möglichkeit, den Westen und den Osten auf systematische Weise in eine Gegnerperzeption zu integrieren. So postuliert die Charta der Hamas seit jeher, dass die „Juden“ die treibende Kraft hinter der bolschewistischen Revolution in Russland gewesen wären und durch ihren weltweiten Einfluss die Kontrolle über die „imperialistischen Völker gewonnen hätten“. Der israelische Staat wird in diesem Narrativ als Sprungbrett für die vermeintliche „zionistische“ Eroberung des arabischen Raums im Auftrag des „Weltzionismus“ gedeutet[17] und dabei angeblich sowohl aus dem Westen als auch dem Osten gestützt: „So unterstützen die kolonialistischen Kräfte im kapitalistischen Westen und im kommunistischen Osten den Feind mit aller verfügbaren Kraft, materiell und menschlich, wobei sie sich in den Rollen untereinander abwechseln.“[18]

12 Leave a comment on paragraph 12 2 Neben der Umdeutung der bipolaren Ordnung verweist auch der Modernisierungsanspruch des politischen Islams auf die ideelle Achse des Kalten Krieges. Die islamistischen Vordenker versprachen im paradoxen Einklang mit dem übergeordneten Maßstab der Modernisierungslogik des Kalten Krieges eine Lösung der aktuellen politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Problemlagen in der muslimischen Welt. Der kontradiktorische Charakter der islamistischen Modernisierungsversprechung ergab sich aus ihrer religiösen Legitimation. Eine andersartige islamistische Moderne, in der religiöse Prämissen und die Etablierung einer leistungsfähigen Industriegesellschaft sich gegeneinander bedingten war im Modell der west-östlichen Moderne nicht vorgesehen, da sich beide Systeme gerade gegen religiös fundierte Ordnungsvorstellungen richteten. So wurden aus islamistischer Perspektive die fortgesetzten Niederlagen der arabischen Staaten gegen Israel nicht mehr länger wie noch zu Zeiten des Sechstagekrieges als ein Problem der Organisation und Kampfkraft der arabischen Armeen beurteilt, sondern als Folge der fehlenden ideellen islamischen Ausrichtung der arabisch-nationalistischen Regime gedeutet.[19] Ganz ähnlich wurde die „soziale Frage“ thematisiert. In den Reden Khomeinis wurde die „Rückständigkeit“ des Irans auf das fehlende Verständnis der islamischen Gesellschaftsprinzipien durch westlich-kapitalistisch und östlich-sozialistisch geprägte Intellektuelle zurückgeführt. Der radikale politische Islam erhob somit auch den Anspruch, die aus einer Transformation zu modernen Industriegesellschaften entstehenden sozialen Problemlagen und Konflikte besser zu bewältigen als die aus dem Westen und dem Osten offerierten Entwicklungsmodelle.[20] Die universelle Ausrichtung der radikalsten Varianten des politischen Islams wurde zeitgenössisch ebenfalls thematisiert, wie sich am obengenannten Zitat Azzams belegen lässt, doch wurde der Kampf gegen die beiden Supermächte erst im zweiten Schritt als globaler Konflikt gedacht. Vorerst war der Dschihad an der Peripherie der Umma in der Levante und in Afghanistan zu führen. Gleichzeitig erforderten diese Auseinandersetzungen eine komplexe transnationale Koordinierung von Kämpfern, Logistik und monetären Strömen. Dies waren Vorgänge, die später die strukturelle Grundlage für die über die muslimisch geprägten Staaten ausgreifende islamistische Terrorbewegung Al-Qaida bildeten.[21]

Einordnung durch die Wissenschaften

13 Leave a comment on paragraph 13 1 In der Wahrnehmung der westlichen Öffentlichkeit und vor allem innerhalb der wissenschaftlichen Fachkreise auf beiden Seiten des Eisernen Vorgangs wurden diese Vorgänge zeitgenössisch durchaus registriert, da sie eingebettet waren in ein übergreifendes Erstarken moderater und radikaler islamistischer Bewegungen und Parteien in der muslimischen Welt. Diese Entwicklung war unabhängig davon, ob die betreffenden Staaten geopolitisch eher dem westlichen oder kommunistischen Lager zugeordnet waren.[22] So begann ab Anfang der 1980er eine Diskussion über die „Reislamisierung“ unter westlichen Islamexperten. Die zentrale Frage war das Verhältnis zwischen historischen Entwicklungen innerhalb eines postulierten islamischen Kulturraumes und der „Moderne“. Moderne beschrieb in diesem Kontext die Übernahme europäischer Konzepte zur Organisation von Staat, Gesellschaft und Ökonomie durch die Eliten in der muslimischen Welt, sowie globale Entwicklungen, wie beispielsweise Urbanisierung und Säkularisierung, welche sich auf die Bevölkerung der muslimischen Territorien auswirkten. Anerkannte Experten für den Nahen und Mittleren Osten wie beispielweise John L. Esposito, Ali E. Hillal Dessouki, Daniel Pipes und im westdeutschen Kontext Bassam Tibi reflektierten in diesem Zusammenhang über die Tragfähigkeit des Begriffes Reislamisierung.[23]

14 Leave a comment on paragraph 14 1 Die Diskussion über die Einordnung des politischen Islams machte dabei nicht am Eisernen Vorhang halt. Anschluss für Wissenschaftler und Autoren in den Staaten des Warschauer Paktes bot dabei die ebenfalls den Referenzrahmen des Kalten Krieges transzendierende Interdependenztheorie. Die Interdependenztheorie fußte auf der Annahme, dass die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen den Staaten sowie das zunehmende Gewicht transnationaler nichtstaatlicher Akteure neue globale Problemfelder konstituierten, die unter anderem die Zunahme zwischenstaatlicher Abhängigkeiten nach sich zogen (siehe Beiträge Martin Deuerlein, Isabell Schrickel, Frank Reichherzer). In der wissenschaftlichen Einordnung und auch der öffentlichen Wahrnehmung des politischen Islams zeigten sich häufig Bezüge zum Interdependenzdiskurs der 1970er und 1980er Jahre.

15 Leave a comment on paragraph 15 1 So war die akademische Beschäftigung mit dem Phänomen der Interdependenz in den Fokus der Öffentlichkeiten der westlichen Nationen durch den Öl-Boykott der OPEC Staaten während des Yom-Kippur Krieges 1973 getreten. Der Einsatz der „Öl-Waffe“ durch die OPEC Staaten machte die Achillesferse des zunehmenden Bedarfs an Öl durch die hochgradig differenzierten Industriegesellschaften sichtbar. Gleichzeitig stand der Yom-Kippur Krieg in einem Bezug zur Ausbreitung religiöser Legitimationsmuster in der arabischen Welt. Der in den arabischen Staaten „Oktober-Krieg“ genannte Konflikt fand während des religiös bedeutenden Monats Ramadan statt. Im Sechs-Tage Krieg 1967 war der Schlachtruf der arabischen Soldaten noch „Land, Meer, Himmel“ gewesen, welcher Vertrauen in das operative Denken und die Ausrüstung der arabischen Armeen ausdrückte. Im Jahr 1973 hieß die Losung dann „Gott ist groß (Allahu akbar)“.[24] Und auch die Namensgebung „Badr“ für den ägyptisch-syrischen Operationsplan verwies auf die religiöse Dimension des Krieges, da sie auf den ersten Sieg Mohammeds gegen den Stamm der Quraisch im Jahr 632 anspielte.

16 Leave a comment on paragraph 16 2 Aus dem Topoi der „Öl-Waffe“ entwickelte sich gegen Ende der 1970er die „Geld-Waffe“ als Sorge vor der Förderung islamistischer Gruppierungen in den westlichen Gesellschaften mithilfe von internationalen Geldströmen insbesondere aus dem vermögenden Saudi-Arabien im Rahmen des zunehmenden Abbaus von Hindernissen für den globalen Transfer von Kapital und des Stroms sogenannter „Petro-Dollar“ an den Persischen Golf. So wurde bereits 1979 die Verbindung zwischen dem Einfluss islamistischer Gestaltungsvorstellungen über den arabischen und iranischen Raum hinaus entlang der internationalen Finanzströme sowohl in Zeitungsartikeln als auch wissenschaftlichen Publikationen als Gefahr für die innere Stabilität der westlichen Staaten thematisiert.[25] Der Aufstieg Saudi-Arabiens von einer abgelegenen Region auf der arabischen Halbinsel zum finanzstarken internationalen Akteur und Investor war ebenfalls eine Folge des zunehmenden Bedarfs an Öl für die Funktionsfähigkeit der internationalisierten Wirtschaftsstrukturen. Diese Vorgänge führten wiederum dazu, dass durch den Ölreichtum die Urbanisierung im saudischen Königsreich forciert wurde, westliche Konsumgüter verfügbar wurden, Reisen ins Ausland für die Jugend der Oberschicht möglich waren und Kontakte zwischen der saudischen Bevölkerung und westlichen Arbeitskräften in der Ölindustrie entstanden.[26] Diese Prozesse trugen nicht nur zu einem Klima der Zusammenarbeit sondern auch zur Ausprägung der anti-westlichen Stoßrichtung des politischen Islams bei, wie sich am Beispiel Osama Bin Ladens belegen lässt. Entwicklungen des sozio-kulturellen Kontaktes und die Formierung islamistischer Ordnungsvorstellungen gingen damit mindestens in Saudi-Arabien Hand in Hand.[27]

17 Leave a comment on paragraph 17 2 Die Analyse und Einordnung dieser Entwicklung wurde in den Staaten des Warschauer Paktes zwar im Rahmen marxistisch-leninistischer Kategorien vorgenommen, doch unterschied sich das dabei entstandene Narrativ in seiner Struktur nur unwesentlich von den Deutungen im Westen. So thematisiert der auf den Nahen Osten sowie die Geschichte der Entwicklungsländer spezialisierte DDR-Historiker Martin Robbe in einer Veröffentlichung des Militärverlages der DDR den Begriff der Reislamisierung und interpretiert diesen als Produkt einer „revolutionären Situation“, die sich im Zuge der Durchsetzung „kapitalistischer“ Staats- und Wirtschaftsstrukturen erstmals im Iran im Jahr 1979 konstituiert hätte. Für Robbe war der Islam ein Faktor in der Geschichte des Nahen und Mittleren Ostens, der seine Bedeutung im Kontext jeder postulierten Gesellschaftsstufe der marxistisch-leninistischen Geschichtsteleologie bewahrte. Dieser Deutung lag die Annahme zugrunde, dass sich der Islam im Übergang zwischen der „Ur-“ und „Feudalgesellschaft“ auf der arabischen Halbinsel in einem „revolutionären Prozess“ entwickelt hatte und seitdem ein Faktor mit enormer Gestaltungskraft war. Robbe sah die politischen Umbrüche in der muslimischen Welt gegen Ende der 1970er und in den 1980ern damit ebenfalls als ein spezifisches Zusammenwirken kultureller Prägungen und aktueller Veränderungen in der Struktur der betreffenden Staaten und Regionen. Diese hatten das Potenzial „als Alternative zum Kapitalismus und Sozialismus Eigenständiges hervorzubringen“: das Ordnungsmodell des politischen Islams. In Folge könnte es zu internationalen Schwierigkeiten kommen, da „muslimische Extremisten“ dazu neigen würden, „abenteuerliche Situationen“ heraufzubeschwören. Ein Vorgang, der sich im Rahmen der zunehmenden Interdependenz als kontraproduktiv für die Lösung der neuen globalen Probleme, wie beispielsweise die „Sicherung des Weltfriedens“ oder die „Überwindung der Unterentwicklung und Beseitigung der absoluten Armut“, herausstellen konnte.[28]

Sicherheitspolitische Bedrohungsperzeptionen

18 Leave a comment on paragraph 18 0 Auf der Ebene sicherheitspolitischer Institutionen erfolgte die Einordnung des politischen Islams in Bedrohungsperzeptionen zeitverzögert. Die Logik des Kalten Krieges in Verbindung mit institutionellen Beharrungskräften mögen dabei eine Rolle gespielt haben. Der „Islam“ war zwar in der Diskussion zwischen den Außenministern Westeuropas und der USA sowie in NATO-Gremien in Bezug auf die Beurteilung der Islamischen Revolution im Iran und den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan durchaus ein Faktor, doch wurde dieser in die bipolare Logik des Kalten Krieges integriert. Als problematisch wurde der mit der Destabilisierung des Mittleren Osten einhergehende wachsende sowjetische Einfluss in der Golfregion angesehen, die für die Ölversorgung der westlichen Staaten entscheidend war. Dabei wurde in diesem Kontext die Verbindung und Wirkmächtigkeit der Entwicklungen im Iran und in Afghanistan analysiert. So thematisierte beispielsweise Rupert Dirnecker, der für auswärtige Angelegenheiten zuständige Mitarbeiter der CDU/CSU Fraktion, das Problem, ob es sich bei einem wichtigen afghanischen Anführer der Mudschaheddin Gulbuddin Hekmatyār um eine Führungsfigur handeln würde, welche „dem von Khomeini geprägten Bild des radikalen Moslemführers“[29] entsprach. ls Konsens zwischen den sicherheitspolitischen Akteuren der westlichen Staaten kristallisierte sich in der internationalen Diskussion die Interpretation heraus, dass der Islam zwar das einigende Band zwischen den gegen die Sowjetunion kämpfenden Gruppen in Afghanistan war, diesem aber keine langfristige politische Gestaltungskraft zugesprochen wurde. Ähnlich sei die Situation im Iran zu bewerten; auch hier wurde dem Regime Khomeinis keine lange Herrschaft vorausgesagt. Dementsprechend war es verlockend, den geostrategischen Vorteil der Sowjetunion durch die Nutzbarmachung des Faktors Islam in einen Nachteil zu verwandeln.

19 Leave a comment on paragraph 19 0 Dies waren die Gedankengänge, die hinter der waffentechnischen Ausrüstung der Mudschaheddin in Afghanistan standen. Unterstützt wurden diese Bestrebungen durch die Regierungen der USA, Großbritanniens, Frankreichs und der Bundesrepublik Deutschland. So wurden die Mudschaheddin in westlichen Lageeinschätzungen und politischen Texten häufig mit dem Begriff „Freiheitskämpfer“ beschrieben.[30] In direkter Spiegelung dieser Einschätzung wurden die afghanischen Widerstandskämpfer in sowjetischen Lagebeurteilungen als von „imperialistischen“ auswärtigen Mächten geförderte „konterrevolutionäre Elemente und Banden“ beurteilt.[31]

20 Leave a comment on paragraph 20 2 Von einem abhängigen Faktor in der Logikstruktur des Kalten Krieges zu einer eigenständigen Bedrohung entwickelte sich der politische Islam allmählich in den 1980er Jahren in den Beratungen der Geheimdienste des Warschauer Paktes durch ein Zusammendenken des politischen Islams mit dem Phänomen des internationalen Terrorismus. In Folge des Terroranschlages auf israelische Sportler während der Olympiade 1972 bildeten sich in den Sicherheitsorganen im Westen und Osten spezifische Strukturen zum Umgang mit terroristischen Gefahren heraus. Die Beobachtung, dass es sich beim Phänomen des Terrorismus um eine globale Problemlage handelte, für die Grenzen eine untergeordnete Rolle spielten und die damit sowohl die westlichen als auch die kommunistischen Staaten betraf, führte im Warschauer Pakt zu zwei multilateralen Konferenzen, 1979 in Prag und 1987 in Varna (Beitrag Emmanuel Droit).

21 Leave a comment on paragraph 21 0 Während dieser Beratungen standen Erörterungen über eine Definition terroristischer Gewalt und die Beurteilung der betreffenden Gruppen im Vordergrund. Die mit dem „wissenschaftlich-technischen Fortschritt“ steigende Gefahr eines möglichen Terroranschlages mithilfe von „nuklearen Sprengvorrichtungen“ zur „Massenvernichtung von Menschen“ führte unter anderem dazu, dass sich die durch das Wahrnehmungsmuster des Kalten Krieges geprägten Geheimdienste des Ostblocks bereits Ende der 1980er mit Bedrohungskonstellationen beschäftigen mussten, die sich nicht mehr vollständig in den Referenzrahmen des Kalten Krieges fügten.[32]

22 Leave a comment on paragraph 22 0 In der Einordnung möglicher terroristischer Gruppen standen in den Beiträgen der Sowjetunion, der Tschechoslowakei und der Ungarischen Volksrepublik in Varna auch muslimische Gruppierungen im Fokus, höchstwahrscheinlich in Reaktion auf die sowjetischen Erfahrungen im Afghanistankrieg.[33] General Bobkow, der Leiter der sowjetischen Delegation, billigte „moslemischen Terrorgruppen“ zwar eigene politische Zielvorstellungen zu, doch würden diese Organisationen von westlichen Geheimdiensten zur Führung des verdeckten, permanenten Krieges  in ein „weit verzweigtes Netz ausländischer antisowjetischer Organisationen“ eingebunden, um „terroristische Methoden des Kampfes unmittelbar auf das Territorium der UdSSR und der anderen sozialistischen Staaten zu verlagern“. Dabei hätten die Muslimbrüder, die in ihrer Gesamtheit als „antisowjetische Extremisten“ beurteilt wurden, „besonderes Interesse (…) an der Zusammenarbeit mit der afghanischen Konterrevolution“ bekundet.  Eine „gewisse Gefahr“ für die Stabilität der Sowjetunion war damit die „Propagierung der Ideen „der islamischen Revolution“ und des „heiligen Krieges“ durch religiöse Fanatiker, die Anhänger des sogenannten „reinen Islams“ des „Waqabismus (sic).“ Die westlichen Geheimdienste hätten Interesse „Ideen und Praktiken des muslimischen Extremismus einzuschleusen“ und „religiös-terroristische Zellen“ der Muslimbrüder aber auch der Hisbollah zu schaffen.[34] Für den sowjetischen Vertreter waren die islamistischen Organisationen damit zwar weiterhin ein untergeordneter und in die Bipolarität des Kalten Krieges eingeordneter Faktor. Ein Faktor allerdings, der nun in Zusammenhang mit der Wahrnehmung einer globalen terroristischen Bedrohung stand, welche wiederum den Referenzrahmen des Kalten Krieges transzendierte. Noch deutlicher wurde dies durch das Referat der ungarischen Delegation. General Harangozo ging davon aus, dass die „Interessen der UVR“ (Ungarische Volksrepublik) insbesondere „von den im Nahen und Mittleren Osten tätigen extremistischen Organisationen“, unter anderem der Hisbollah und den Muslimbrüdern, bedroht würden.[35] Hier überlagerten sich Deutungen, die den Islamismus zwischen dem Zweiten (Handlanger der USA) und dem Dritten (Akteur mit ganz eigenen Vorstellungen) ansiedelten.

23 Leave a comment on paragraph 23 2 Im Westen bildete sich dagegen Anfang der 1990er durch das Verblassen der bipolaren Struktur des Kalten Krieges im Bereich der internationalen Ordnung sowie der Entwicklung des Islamismus zu einem dauerhaften Phänomen mit wachsendem Einfluss die eigenständige Bedrohungskonstellation „Islam“ heraus, der eine Kombination aus wissenschaftlicher Einordnung des politischen Islams und der Interdependenztheorie zugrunde lag. Dabei wurden nun die bereits Anfang der 1980er konstituierten Deutungen über den Zusammenhang zwischen dem islamischen Fundamentalismus und den neuartigen Bedrohungen durch die zunehmende globale Interdependenz aufgegriffen und Bestandteil von politischen Konzepten zur Bewältigung der globalen Problemstellungen nach dem Ende des Kalten Krieges im Übergang von den 1980er zu den 1990er Jahren. In Zusammenhang mit zunehmender Migration aus islamisch geprägten Regionen und der möglichen Koordinierung der Staaten innerhalb des mediterranen „Krisenbogens“[36] im Rahmen der gemeinsamen islamisch geprägten Kultur wurde die Frage thematisiert, ob sich aus diesen Entwicklungen eine Bedrohung für die OECD-Welt ergeben konnte. Bei dieser Beurteilung der „Gefahr aus dem Süden“[37] in diversen Institutionen an der Schnittstelle zwischen dem militärischen und zivilen Bereich wurden die wissenschaftlichen Interpretationen und Einschätzungen zur Ausgangsbasis von differenzierten Analysen über die Entwicklung in den betreffenden Regionen.[38]

24 Leave a comment on paragraph 24 2 Auf nationalstaatlicher Ebene veranstaltete beispielsweise die Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation (AIK) im Juni 1992 ein Symposium, welches eine mögliche Bedrohung durch wachsenden islamischen Fundamentalismus, regionaler Instabilität und damit zusammenhängend von Migrationsbewegungen aus den islamisch geprägten Regionen an der Südflanke Europas diskutieren sollte. Zur Einschätzung von „Bedingungsfaktoren für die Konflikte in der Region“ wurde dabei Professor Tibi als Referent geladen. An diesem Vorgang wird der Übergang der Deutungsmuster des Islamismus aus dem akademischen Bereich in sicherheitspolitische Modelle zur Antizipation von möglichen neuen Bedrohungslagen nach dem Kalten Krieg deutlich.[39] Auf europäischer Ebene wurde im März 1991 am Institut für Sicherheitsstudien (EUISS) thematisiert, dass mögliche Bedrohungsszenarien im Mittleren und Nahen Osten nicht mehr unter dem Fokus einer möglichen sowjetischen Einflussnahme in diesen Regionen betrachtet werden sollten. Es handle sich stattdessen um eigenständige Phänomene in einer Grenz – und Kontaktzone zwischen der „jüdisch – christlichen“ und „islamischen“ Welt, in der unter bestimmten Bedingungen eine Kooperation zwischen den Staaten der EU und staatlichen oder transnationalen Akteuren jenseits des Mittelmeeres möglich sei. Gleichzeitig wurden aber Gefahren thematisiert, die aus der zunehmenden Interdependenz zwischen Europa und den angrenzenden Regionen an der Südflanke resultierten.[40] So war eines der Szenarien, welches sowohl in der AIK als auch am EUISS diskutiert wurde, eine Ausbreitung des islamischen Fundamentalismus auch in den europäischen Staaten im Rahmen der zunehmenden Süd-Nord Migrationsströme und die Gefahr möglicher Terroranschläge in den europäischen Staaten durch radikale Gruppierungen. Dies waren Einschätzungen, die in den 1990ern nach dem mit dem Mauerfall nun auch offensichtlichen Ende des Kalten Krieges immer öfter vorgenommen wurden und ein breites Echo in der Öffentlichkeit erzeugten. Dementsprechend lässt sich die Konstituierung der Bedrohung Islam als Containerbegriff für eine systematische Integration von Topoi aus den wissenschaftlichen Beurteilungen der Entwicklung des politischen Islams und dem Narrativ einer globalen Vernetzung auf politischer, gesellschaftlicher und ökonomischer Ebene bereits auf den Anfang der 1990er datieren.[41] Dabei wurden die seit den späten 1970er Jahren etablierten oft quer zum Kalten Krieg liegenden einzelnen Elemente einer islamistischen Bedrohung nach dessen Implosion zu einer neuen Konfiguration der Weltbeschreibung zusammengesetzt.

Islamismus zwischen dem Zweiten und dem Dritten  – Ein Fazit

25 Leave a comment on paragraph 25 2 Aus der Sicht der Kontrahenten des Kalten Krieges war der radikale politische Islam der schwer zu fassende Dritte, da der Zusammenhang zwischen religiös legitimierten Ordnungsprinzipien und der Schaffung einer anderen modernen Gesellschaft im Bezugssystem des Kalten Krieges keinen Platz hatte. Der islamische Revolutionsführer Khomeini und die Mudschaheddin in Afghanistan, die in einen „heiligen Krieg“ gegen die Supermächte zogen, erschienen wie die Wiederkehr mittelalterlicher religiöser Eiferer. Der radikale politische Islam wirkte wie ein atavistisches Element in einer modernen Welt. Beide Seiten des Kalten Krieges versuchten ihn für ihre Ziele zu instrumentalisieren und konnten ihn doch nicht als eine neuartige universelle Gefahr wahrnehmen. Gleichzeitig drängte der Islamismus mit Macht auf eine Neuverhandlung der Fronten. Er strebte danach, sich vom Dritten zum Zweiten zu entwickeln. In den ideologischen Traktaten der radikalen Verfechter des politischen Islams war die Welt bis zum Ende des Kalten Krieges und auch darüber hinaus weiterhin zweigeteilt: in die Welt des Islams und die Welt der gottlosen Supermächte und ihrer Vasallen, die sich in einem globalen Konflikt gegenüberstanden. Denn inhärente Bestandteile in der Vorstellung einer islamistischen Moderne waren die Binarität und die Modernisierungslogik der ideellen Achse des Kalten Krieges.

26 Leave a comment on paragraph 26 0 Die wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem neuartigen Phänomen sowohl im Westen als auch im Osten begann allmählich den Referenzrahmen des Kalten Krieges durch die Fokussierung auf den Entstehungskontext des Islamismus zu transzendieren. Da sich der radikale politische Islam den Wahrnehmungsmustern des Kalten Kriegs entzog und gleichzeitig oft als ein Produkt der zunehmenden Verflechtung der unterschiedlichen Weltregionen interpretiert wurde, erscheint es schlüssig, dass sich Zusammenhänge zwischen den Deutungen des Islamischen Fundamentalismus in West und Ost und der zunehmenden Interdependenz ergaben. Die Interdependenztheorie transzendierte durch ihre Annahme wechselseitiger globaler Abhängigkeiten ebenfalls die ideelle Ordnung des Kalten Krieges.

27 Leave a comment on paragraph 27 2 Im stark vom Wahrnehmungsmuster des Kalten Krieges geprägten sicherheitspolitischen Umfeld zeigten sich erste Risse im Referenzrahmen in der Reaktion der Geheimdienste des Warschauer Paktes auf die Konfrontation zwischen der Sowjetunion und islamistischen Gruppen in Afghanistan. Hier zeigte sich erstmals die diskursive Kombination zwischen der Beurteilung des Islamismus und der Einordnung des internationalen Terrorismus, welche insbesondere durch ihren argumentativen Bezug auf den möglichen Einsatz von Massenvernichtungswaffen durch terroristische Gruppen das Bedrohungsszenario nach dem 11. September 2001 vorwegnahm.

28 Leave a comment on paragraph 28 0 Nachdem sich der Referenzrahmen des Kalten Krieges durch die demokratische Revolution in Mittel- und Osteuropa 1989/90 als internationales System überholt hatte, dekonfigurierten sich mit dem Zusammenbruch der autoritären Regime des Warschauer Paktes auch die sicherheitspolitischen Wahrnehmungsmuster und mit ihnen die bereits vorhandene Begrifflichkeit des islamistischen Terrorismus. In dem sich nun abzeichnenden Möglichkeitsraum begann erneut die Suche nach Orientierung, um sowohl die mannigfaltigen Chancen als auch die lauernden Gefahren der kontingenten Situation zu antizipieren. Im Westen fand nun die wissenschaftliche Beurteilung des radikalen politischen Islams in die sicherheitspolitische Diskussion Eingang. Der Islamismus wurde so zu einem Phänomen eigener Art und Bestandteil sicherheitspolitischer Modelle. Ihr Zweck war, die Handhabung sowie Antizipation neuartig wahrgenommener Bedrohungsszenarien in einer unsicheren, offenen Zukunft zu ermöglichen.

29 Leave a comment on paragraph 29 0  

Literatur und publizierte Quellen

  • 30 Leave a comment on paragraph 30 0
  • Cudsi, Alexander S./Dessouki, Ali E. (Hg.): Islam and Power, London 1981.
  • Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation/Schirrmeister, Karl Günter (Hg.) Die „Verwerfungszone” internationaler Politik zwischen Maghreb und Golf. Der Krisengürtel südlich Europas, Symposium 3. und 4. Juni 1992 in Köln – Dokumentation, Waldbröl 1993.
  • Aliboni, Roberto: European Security across the Mediterranean, Institute for Security Studies, WEU, Chaillot Paper, Nr. 2, März 1991.
  • Bösch, Frank: Zwischen Schah und Khomeini, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Band 63, Heft 3 (2015).
  • Bresselau von Bressensdorf, Agnes: Die unterschätzte Herausforderung. Afghanistan 1979, das Krisenmanagement der NATO-Staaten und der Islam als Faktor der internationalen Beziehungen in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 64 (2016) 4.
  • Charta der Hamas, in: Baumgarten, Helga: Hamas. Der politische Islam in Palästina, München 2006.
  • Dean, Jonathan: Ending Europe´s Wars. The Continuing Search for Peace and Security, New York 1994.
  • Debré, Michel: The Threat is from the South, in: Le Quotidien de Paris (26. Juni 1990).
  • Esposito, John: Islam and Politics, New York 1984.
  • Gerges, Fawaz A.: The Islamist Moment. From Islamic State to Civil Islam, in: Political Science Quarterly, Band 128 (2013) 3.
  • Haddad, Yvonne: The Arab-Israeli Wars, Nasserism, and the Affirmation of Islamic Identity, in: John L. Esposito  (Hg.): Islam and Development. Religion and Sociopolitical Change, Syracuse 1980.
  • Hegghammer, Thomas: Abdullah Azzam, der Imam des Dschihads, in: Kepel, Gilles/Milelli, Jean-Pierre (Hg.): Al Qaida. Texte des Terrors, München 2006.
  • Holz, Klaus: Die Gegenwart des Antisemitismus. Islamistische, demokratische und antizionistische Judenfeindschaft, Hamburg 2005.
  • Khomeini, Ruhollah Musawi: „We shall confront the world with our ideology”, in: MERIP Reports, Nr. 88, Iran’s Revolution: The First Year (Juni 1980).
  • Koschorke, Albrecht: Ein neues Paradigma der Kulturwissenschaften,  In: Eßlinger, Eva/Schlechtriemen, Tobias/ Schweitzer, Doris/Zons, Alexander (Hg.): Die Figur des Dritten. Ein kulturwissenschaftliches Paradigma, Berlin 2010.
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  • Brumberg, Daniel: The Trap of Liberalized Autocracy, in: Journal of Democracy, Band 13, Heft 4 (2002).
  • Moser, Thomas J.: Politik auf dem Pfad Gottes. Zur Genese und Transformation des militanten sunnitischen Islamismus, Innsbruck 2012.
  • Pipes, Daniel: In the Path of God. Islam and Political Power, New York 1983.
  • Robbe, Martin: Dschihad – Heiliger Krieg. Der Islam in Konfliktsituationen der Gegenwart, Berlin 1989.
  • Allan, Pierre/Bucherer, Paul/ Kläy, Dieter/Stahel, Albert A./ Stüssi-Lauterburg, Jürg (Hg.): Sowjetische Geheimdokumente zum Afghanistankrieg (1978 – 1991), Strategische Studien Band 8, Zürich 1995.
  • Saghi, Omar: Einführung: Osama bin Laden, Volkstribun im Medienzeitalter, in: Kepel, Gilles/Milelli, Jean-Pierre (Hg.): Al Qaida. Texte des Terrors, München 2006.
  • Seidensticker, Tillman: Islamismus. Geschichte, Vordenker, Institutionen, München 2014.
  • Steinberg, Guido: Der nahe und der ferne Feind. Die Netzwerke des islamistischen Terrorismus, München 2005.
  • Tibi, Bassam: Die Krise des modernen Islam. Eine vorindustrielle Kultur im wissenschaftlich technischen Zeitalter, Frankfurt 1981.
  • Wenn der Teufel geht, kommt der Engel, in: Der Spiegel 7/1979.
  • Westad, Odd Arne: The Cold War and the International History of the Twentieth Century, in: Leffler, Melvyn P./
  • Westad, Odd Arne (Hg.): Cambridge History of the Cold War, Band 1, Cambridge 2010.
  • Westad, Odd Arne: The Gobal Cold War. Third World Interventions and the Making of Our Times, Cambridge 2005.

31 Leave a comment on paragraph 31 0 [1] Vgl. Westad: The Cold War and the International History, S. 13-15.

32 Leave a comment on paragraph 32 0 [2] Vgl. Koschorke: Ein neues Paradigma der Kulturwissenschaften, S. 9.

33 Leave a comment on paragraph 33 0 [3] Vgl. Koschorke: Ein neues Paradigma der Kulturwissenschaften, S. 9.

34 Leave a comment on paragraph 34 0 [4] Um die Verwendung, Definition und Stichhaltigkeit dieser drei Begriffe gab und gibt es mannigfaltige Forschungsdiskussionen. Islamischer Fundamentalismus und Islamismus sind Analysebegriffe, welche beide in den 1980er Jahren aufkamen. In der Forschungsdiskussion setzte ab Mitte der 1980er Jahre eine Kritik des Begriffes islamischer Fundamentalismus ein. Insbesondere wurde thematisiert, dass sich die beschriebene politische Ordnungsvorstellung gerade nicht durch eine buchstabengetreue Auslegung des Korans legitimiert, sondern deren Vertreter erkennbar selektiv mit der religiösen Überlieferung umgehen. Trotzdem trug insbesondere die vergleichende Fundamentalismusforschung zum Erkenntnisgewinn bei, da sie ähnliche Strukturmerkmale wie beispielsweise eine binäre Gut-Böse Logik und totalitäre Visionen in Bezug auf eine konstruierte Urgesellschaft in verschiedenen Fundamentalismen nachweisen konnte. So verweist der Vergleich der christlichen, islamischen und hinduistischen Fundamentalismen seit den 1970ern auf die zeitgenössischen Entstehungskontexte der beschriebenen Phänomene. Da dieser Aufsatz den Zusammenhang zwischen der sowohl mit dem Begriff Islamismus als auch islamischer Fundamentalismus beschriebenen politischen Ordnungsvorstellung und der ideellen Ordnung des Kalten Krieges thematisiert, ist es dennoch möglich, diese Begriffe in diesem Kontext als Synonyme zu verwenden. „Radikaler“ politischer Islam verweist wiederum in diesem Text auf die zentrale Bedeutung des Faktors Gewalt, welcher das Unterscheidungsmerkmal zu „moderaten“ Varianten des Islamismus darstellt. So finden sich innerhalb der Organisation der Muslimbrüder sowohl Vertreter eines radikalen als auch moderaten politischen Islams. Siehe dazu Seidensticker: Islamismus, S. 10-12, 75-76.

35 Leave a comment on paragraph 35 0 [5] Die Forschungsliteratur bezüglich der Analyse des Islamismus ist dabei nicht mehr zu überschauen. Exemplarisch dazu: Moser: Politik auf dem Pfad Gottes; Steinberg: Der nahe und der ferne Feind.

36 Leave a comment on paragraph 36 0 [6] In der aktuellen Forschung wird thematisiert, ob sich in islamistischen Organisationen im Kontext der politischen Praxis eine allmähliche Abwendung vom politischen Ausschließlichkeitsanspruch vollziehen kann. Dann wäre es möglich, dass sich die kollektiven Akteure des politischen Islams unter den Bedingungen eines parlamentarischen Systems schlussendlich in demokratiekonforme politische Parteien transformieren könnten. Als differenziert-kritische Einschätzung des demokratischen Potenzials in der Entwicklung der Muslimbruderschaft, Hamas und Hisbollah siehe Seidensticker: Islamismus, S. 72-76, 87-90, 101-103. Zur positiven Einschätzung einer demokratischen Perspektive unter dem Eindruck des „Arabischen Frühlings“ siehe Gerges: The Islamist Moment.

37 Leave a comment on paragraph 37 0 [7] Vgl. zur Wirkung der islamischen Revolution im Iran und des Afghanistankrieges im westdeutschen Kontext: Bösch: Zwischen Schah und Khomeini, S. 319-321; von Bressensdorf: Die unterschätzte Herausforderung, S. 665-669; vgl. dazu im internationalen Kontext: Westad: The Gobal Cold War, S. 288-289.

38 Leave a comment on paragraph 38 0 [8] Vgl. Westad: The Global Cold War, S. 292-299.

39 Leave a comment on paragraph 39 0 [9] Vgl. Westad: The Global Cold War, S. 299-301, 326-328.

40 Leave a comment on paragraph 40 0 [10] Azzams bevorzugte Kampfform für den Dschihad war bis zu seinem Tod im November 1989 der Guerillakrieg. Die Transformierung des von ihm begründeten paramilitärischen Netzwerkes zur global agierenden Terrorgruppe Al-Qaida erfolgte unter der Führung Osama bin Ladens. Siehe Hegghammer: Abdullah Azzam.

41 Leave a comment on paragraph 41 0 [11] Khomeini: „We shall confront the world with our ideology”, S. 22.

42 Leave a comment on paragraph 42 0 [12] Auszüge aus: „Die Verteidigung der muslimischen Gebiete ist die oberste Pflicht des einzelnen“, in: Kepel/Milelli (Hg.): Al Qaida, S. 176.

43 Leave a comment on paragraph 43 0 [13] „Die Verteidigung der muslimischen Gebiete ist die oberste Pflicht des einzelnen“, in: Kepel/Milelli (Hg.): Al Qaida S. 182.

44 Leave a comment on paragraph 44 0 [14] Vgl. Seidensticker: Islamismus; vgl. Esposito: Islam and Politics.

45 Leave a comment on paragraph 45 0 [15] Khomeini: „We shall confront the world with our ideology”, S. 23.

46 Leave a comment on paragraph 46 0 [16] Auszüge aus Die Verteidigung der muslimischen Gebiete ist die oberste Pflicht des einzelnen“, S. 182.

47 Leave a comment on paragraph 47 0 [17] Antisemitische Stereotype finden sich auch in den Texten Sayyid Qutbs, Azzams und vielen weiteren islamistischen Vordenkern. Meistens sind die antisemitischen Denkfiguren ein Bestandteil in der Gegnerperzeption des Westens. Die Charta der Hamas geht noch darüber hinaus, da sie über den Antisemitismus sowohl den Westen als auch den Osten in ein Feindbild integriert. Vgl. Holz: Die Gegenwart des Antisemitismus, S. 22, 34-35.

48 Leave a comment on paragraph 48 0 [18] Artikel 22 der Charta der Hamas, in: Baumgarten: Hamas, S. 219.

49 Leave a comment on paragraph 49 0 [19] Vgl. Moser: Politik auf dem Pfad Gottes, S. 101-105.

50 Leave a comment on paragraph 50 0 [20] „All of our backwardness is due to the lack of proper understanding by most of the university intellectuals of the islamic society of Iran.“ Khomeini: „We shall confront the world with our ideology”, S. 24.

51 Leave a comment on paragraph 51 0 [21] Vgl. Steinberg: Der nahe und der ferne Feind, S. 25-26, 34-36, 38.

52 Leave a comment on paragraph 52 0 [22] Die These der Ausbreitung einer religiösen Legitimation politischer Ordnungsvorstellungen und sozialer Praktiken in den 1970er Jahren ist bis heute ein gängiges und bewährtes Interpretationsmuster in der Forschung in Bezug auf die politischen Entwicklungen in den Staaten mit muslimischer Bevölkerung. Als Beispiel für eine Studie jüngeren Datums siehe für Syrien Line: Islamic Revivalism in Syria; Für die Reaktionen der Autokratien des Nahen Osten auf die islamistische Opposition siehe Brumberg: The Trap of Liberalized Autocracy, S. 56-68.

53 Leave a comment on paragraph 53 0 [23] Vgl. Cudsi/Dessouki (Hg.): Islam and Power; vgl. Esposito: Islam and Politics; vgl. Pipes: In the Path of God;  vgl. Tibi: Die Krise des modernen Islam.

54 Leave a comment on paragraph 54 0 [24] Siehe dazu Haddad: The Arab-Israeli Wars, S. 120.

55 Leave a comment on paragraph 55 0 [25] Wenn der Teufel geht, kommt der Engel, in: Der Spiegel 7/1979, S. 103; vgl. Pipes: In the Path of God, S. 290.

56 Leave a comment on paragraph 56 0 [26] Vgl. Pipes: In the Path of God S. 297.

57 Leave a comment on paragraph 57 0 [27] Vgl. Saghi: Einführung, S. 29.

58 Leave a comment on paragraph 58 0 [28] Vgl. Robbe: Dschihad – Heiliger Krieg, S. 8-9, 186.

59 Leave a comment on paragraph 59 0 [29] Zitiert nach von Bressensdorf: Die unterschätzte Herausforderung, S. 695.

60 Leave a comment on paragraph 60 0 [30] von Bressensdorf: Die unterschätzte Herausforderung, S. 687-689, 695. Diese Einschätzung spiegelte sich auch in der Populärkultur. Das Bild der Mudschaheddin als westlich orientierte nationale Widerstandskämpfer gegen die sowjetische Besatzung findet sich so beispielsweise auch in Filmen wie „Rambo III“  und „James Bond 007 – Der Hauch des Todes“.

61 Leave a comment on paragraph 61 0 [31] Auszug aus dem Sitzungsprotokoll des Politbüros des ZK der KPdSU (177/151): „Unsere Schritte in Zusammenhang mit der Lageentwicklung rund um Afghanistan“ mit Beilagen, in: Allan/Bucherer/Kläy/Stahel/Stüssi-Lauterburg (Hg.): Sowjetische Geheimdokumente zum Afghanistankrieg, S. 133.

62 Leave a comment on paragraph 62 0 [32] Referat der sowjetischen Delegation in Varna, BStU, MfS, Sekr. Neiber Nr. 1, S. 000213 – 000214.

63 Leave a comment on paragraph 63 0 [33] Vgl. BStU, MfS, Sekr. Neiber Nr. 1, S. 000187, 000217 – 000218, 000238.

64 Leave a comment on paragraph 64 0 [34] Referat der sowjetischen Delegation in Varna, BStU, MfS, Sekr. Neiber Nr. 1, S. 000212, 000215 – 000218.

65 Leave a comment on paragraph 65 0 [35] Referat der ungarischen Delegation in Varna, BStU, MfS, Sekr. Neiber Nr. 1, S. 000238.

66 Leave a comment on paragraph 66 0 [36] Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation/Schirrmeister (Hg.): Die „Verwerfungszone” internationaler Politik zwischen Maghreb und Golf. Dieses Symposium wurde von der Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation (AIK), dem heutigen Zentrum Informationsarbeit Bundeswehr, veranstaltet. Die AIK war eine Institution, die aus der „Akademie für Psychologische Verteidigung“ hervorging und durch wissenschaftliche Grundlagenarbeit Beiträge für die Inhalte von Ausbildung/Lehre zur Verfügung stellte. Für Fragen der Sicherheitspolitik wurden so inhaltliche und konzeptionelle Grundlagen ausgewertet und aufbereitet.

67 Leave a comment on paragraph 67 0 [37] Debré: The Threat is from the South.

68 Leave a comment on paragraph 68 0 [38] Siehe hierzu Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation/Schirrmeister (Hg.) Die „Verwerfungszone” internationaler Politik zwischen Maghreb und Golf; Aliboni: European Security across the Mediterranean.

69 Leave a comment on paragraph 69 0 [39] Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation/Schirrmeister (Hg.): Die „Verwerfungszone” internationaler Politik zwischen Maghreb und Golf, S. 7-21.

70 Leave a comment on paragraph 70 0 [40] Aliboni: European Security across the Mediterranean, S. 4, 15-18.

71 Leave a comment on paragraph 71 0 [41] Vgl. Dean: Ending Europe´s Wars, S. 189-191.

Source: https://opr.degruyter.com/den-kalten-krieg-vermessen/grischa-sutterer-islamismus/