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Martin Deuerlein: Interdependenz

1 Leave a comment on paragraph 1 4 Im Mai 1977 schien der Kalte Krieg ein Phänomen der Vergangenheit zu sein. Die Feststellung, binäre Deutungsmuster könnten die Welt der Gegenwart nicht mehr ausreichend erklären, war dabei kein Wunschtraum friedensbewegter Aktivisten, sondern wurde auch von US-Präsident Jimmy Carter in einer seiner ersten programmatischen Reden zur internationalen Politik geäußert: Die Vereinigten Staaten hätten sich mittlerweile von jener „übermäßigen Furcht vor dem Kommunismus“ befreit, die sie in der Vergangenheit dazu gebracht habe, jeden Diktator zu unterstützten, der sich darauf berufen hätten. Die Logiken der Systemkonfrontation seien mittlerweile überholt, mit ihrem neuen Ansatz wolle die neue Regierung dagegen für Menschenrechte und Meinungsfreiheit eintreten, neue Initiativen in der Rüstungskontrolle und der Entspannungspolitik ergreifen und die Kooperation mit den europäischen Verbündeten und den Staaten Lateinamerikas, Afrikas und Asiens verbessern. Grundlage dieser außenpolitischen Neuausrichtung war die Diagnose, die Welt habe sich in weniger als einer Generation dramatisch verändert: „Unsere Politik ist aus einem weiteren Blick auf globalen Wandel abgeleitet. […] Das Leben und das Streben der meisten Menschen hat sich verändert. Der Kolonialismus ist fast verschwunden.“ Die Vereinigten Staaten seien deshalb mit einer „neuen Welt“ konfrontiert, zu deren Gestaltung sie mit einer neuen Politik, „angepasst an die neuen und sich schnell verändernden historischen Umstände“ aktiv beitragen müssten.[1]
Die Weltsicht des neuen US-Präsidenten war entscheidend von seiner Mitgliedschaft in der Trilateralen Kommission geprägt worden, der neben Carter noch 16 weitere Mitglieder seiner Regierung angehört hatten. Diese Organisation war 1973 auf Initiative des Bankiers David Rockefellers und des Politikwissenschaftlers Zbigniew Brzezinskis als ein Netzwerk von nordamerikanischen, westeuropäischen und japanischen Eliten gegründet worden, um die Kooperation zwischen ihren Ländern zu vertiefen (Beitrag Frank Reichherzer). Die Kommission diagnostizierte eine Reihe dramatischer Veränderungen in Weltpolitik und Weltwirtschaft, das zentrale Schlagwort ihrer Gegenwartsdiagnose war dabei die „Interdependenz“. Das stete Anwachsen von Verflechtungen und wechselseitigen Abhängigkeiten war laut ihrem Gründungsmanifest eine „Tatsache der gegenwärtigen Welt“, die nationale Systeme transzendiere und die Politik vor neuartige Herausforderungen stelle.[2] Es sei sinnlos, diesen Entwicklungen etwa durch Isolationismus entgegensteuern zu wollen, vielmehr müsse dieser Wandel in enger Kooperation mit den Verbündeten aktiv gestaltet werden.

 Das „Zeitalter der Interdependenz“

2 Leave a comment on paragraph 2 1 Der Begriff der „Interdependenz“ war dabei keine Neuprägung der Trilateralen Kommission, sondern war seit Beginn der 1970er Jahre zu dem Begriff zur Beschreibung der Transformation von Weltwirtschaft und Weltpolitik geworden. Er diente als „Metabegriff“, um eine ganze Reihe von beobachteten Neuerungen begrifflich zu fassen, die heute meist unter Schlagwort der „Globalisierung“ verhandelt werden. Manche Zeitgenossen erklärten in den 1970er Jahren ihre Gegenwart bereits zum „Zeitalter der Interdependenz“.[3]
Der folgende Beitrag wird deshalb einen kurzen Überblick über die Geschichte des Begriffes und der Theorie der „Interdependenz“ in ihrer Verwendung zur Beschreibung grenzübergreifender Verflechtungen geben. Anschließen werden Bemühungen in den USA und der Sowjetunion analysiert, aus diesen Diagnosen politische Schlussfolgerungen zu ziehen. In diesen beiden Ländern wurde angesichts ihrer globalen Rolle am intensivsten über solche Zusammenhänge nachgedacht. Sie ermöglichen es damit, nach der Interaktion der Interdependenz-Diagnose mit der Deutung der Welt in binären Kategorien des „Kalten Krieges“ zu fragen.
Deutungen der Welt in Begriffen wie „Kalter Krieg“, „Interdependenz“ oder auch „Globalisierung“ wurden dabei von Beobachtungen „struktureller“ Transformationsprozesse, von soziopolitischen Zeitumständen und innerwissenschaftlichen Entwicklungen beeinflusst. Gleichzeitig prägten sie als Deutungsmuster die sinnhafte Aneignung der Welt und bildeten damit den Rahmen für das Denken und Handeln der Zeitgenossen.[4] Gerade deshalb dürfen solche Begriffe von der historischen Forschung nicht unhinterfragt als Analysebegriffe übernommen werden. Sie müssen vielmehr als Quellenbegriffe historisiert und ihre Verwendung in die oben erwähnten Kontexte eingeordnet werden.

Der Interdependenz-Begriff vom 19. Jahrhundert bis in die 1960er Jahre

3 Leave a comment on paragraph 3 3 Diagnosen einer immer stärker verflochtenen Welt lassen sich schon wesentlich länger beobachten, ab Mitte des 19. Jahrhunderts auch unter dem Schlagwort der Interdependenz. Sie standen in einem engen Wechselverhältnis mit jenen Veränderungen im Bereich des Welthandels, der internationalen Politik und der Kommunikations- und Transporttechnologie, die heute als die erste Hochphase der „Globalisierung“ gelten.[5] Eine gerne zitierte Quelle sind hier Karl Marx und Friedrich Engels, die in ihrem Kommunistischen Manifest von 1848 feststellten: „Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumtion aller Länder kosmopolitisch gestaltet. […] An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander.“[6]
Nicht nur in der marxistischen Tradition, sondern noch stärker in den bürgerlich-liberalen Wissenschaften wurde der Begriff der Interdependenz in den folgenden Jahrzehnten viel verwendet. Seine inhaltliche Füllung war ab den 1870er Jahren eng mit einem evolutionären Verständnis sozialer Entwicklung und dem Glauben an den steten Fortschritt von Wissenschaft und Technik verbunden. Die aus der immer ausdifferenzierteren „internationalen Arbeitsteilung“ erwachsende Interdependenz wurde primär als Verflechtung nationalstaatlich abgegrenzter Einheiten gedacht. Für die Zukunft schien die Herausbildung einer „Weltgesellschaft“ jedoch gleichzeitig die nahezu zwingende Fortentwicklung der vergangenen sozialen Evolution vom Individuum über die Familie und den Stamm zur Nation zu sein.[7] Der Erste Weltkrieg war für diese optimistische Perspektive ein schwerer Rückschlag, führte jedoch keineswegs zum Abbrechen entsprechender Interdependenz-Verhältnisse und Diagnosen, sondern verstärkte sie teilweise noch. Ihre Vertreter in der Disziplin der Internationalen Beziehungen wurden jedoch ab Mitte der 1940er Jahre von den Anhängern des „Realismus“ als utopische „Idealisten“ verunglimpft, die wirklichkeitsfremden Utopien anhingen anstatt die tatsächliche Weltpolitik zu analysieren.[8] Zusammen mit der Etablierung binärer Deutungen der Welt des „Kalten Krieges“ als Konflikt von Großmächten erschienen besonders die 1950er Jahre damit als eine von Nationalstaaten dominierte Zeit.
Bereits gegen Ende der 1950er Jahre kamen Interdependenz-Diagnosen jedoch wieder verstärkt auf. Die Erholung des internationalen Handels zwischen den kapitalistischen Staaten und technologische Entwicklungen im Bereich des Transports und der Kommunikation erschienen den meisten Beobachtern in den Sozialwissenschaften dabei als neuartige und revolutionäre Entwicklungen, die der „Realismus“ gleichzeitig nicht mehr zu erklären schien. Die Interdependenz-Debatten der 1840er bis 1930er Jahre waren einerseits fast völlig in Vergessenheit geraten, blieben andererseits mit ihrer optimistischen und evolutionären Deutung wachsender Interdependenz weiterhin diskursprägend, jetzt unter dem Paradigma der „Modernisierung“.[9]
Gegen Ende der 1960er Jahre entwickelte sich die Interdependenz von einem Begriff, den bis dahin vor allem Spezialisten diskutiert hatten, immer mehr zu einer auch in Politik und Medien verwendeten Beschreibung der Veränderungen der Gegenwart.[10] Damit ging auch eine Ausweitung der Reichweite des Begriffes einher: War er bis dahin vor allem für die Beziehungen zwischen kapitalistischen Ländern verwendet worden, wurde er nun zunehmen auch auf blockübergreifende Aspekte übertragen.[11] Zentrale Voraussetzung für diese Entwicklung war die Vertiefung der Entspannungspolitik zwischen Ost und West. In dem Maße, in dem die Spannungen zwischen den beiden Systemen eingehegt und verhärtete ideologische Deutungen der jeweils andere Seite abgebaut wurden, konnte auch die binäre Deutung der Weltpolitik selbst thematisiert und angezweifelt werden.[12]
Die Sowjetunion wurde in der amerikanischen „Sowjetologie“ zunehmend „normalisiert“, schien nun kein völlig fremdartiges, „totalitäres“ System mehr und wurde damit mit den für westliche Gesellschaften entworfenen Methoden und Begriffen der Sozialwissenschaften erforschbar.[13] Aus dieser Perspektive schien jetzt nicht nur die Entwicklung der „Dritten Welt“, sondern auch die der sozialistischen Staaten in die gleiche Richtung zu streben wie die des Westens, wenn auch mit verschiedenen Geschwindigkeiten. Nach Ansicht der „Konvergenztheorie“ werde die Entwicklung aller drei „Welten“ schließlich in einer „Moderne“ nach amerikanischem Vorbild zusammenlaufen. Vor diesem Hintergrund schien es ab den späten 1960er Jahren für viele Zeitgenossen plausibel, den „Kalten Krieg“ bereits als ein Phänomen der Vergangenheit zu betrachten: George F. Kennan dachte 1972 über amerikanische Außenpolitik „nach dem Kalten Krieg“ nach, Zbigniew Brzezinski reflektierte darüber, wie der Kalte Krieg „gespielt“ worden war, der Spiegel erklärte ihn 1975 mit der Unterzeichnung der Schlussakte von Helsinki für tot. Diese Sicht wurde über Blockgrenzen hinweg geteilt, die Große Sowjetische Enzyklopädie sprach 1978 vom „Zusammenbruch des ,Kalten Krieges‘“.[14]

„Komplexe Interdependenz“ und das Ende der Zuversicht

4 Leave a comment on paragraph 4 2 Die Schwächung etablierter Feindbilder und die schwindende Überzeugungskraft binärer Weltdeutungen hatten aber auch noch weitere, für viele Zeitgenossen verstörende Konsequenzen. Ein Blick auf die Realitäten der Weltpolitik und Weltwirtschaft offenbarte ganz andere Entwicklungen als Modernisierungstheorie und das etablierte Verständnis von Interdependenz erwarten ließen. Statt Konvergenz schienen zunehmende „Multipolarisierung“ und damit wachsende Unübersichtlichkeit und Komplexität die zentralen Entwicklungen zu sein: Die „jungen Staaten“ der „Dritten Welt“ meldeten nun erstmals selbstbewusst Ansprüche auf Mitsprache an und forderten eine „neue Weltwirtschafts- und Weltinformationsordnung“ (Beiträge von Jürgen Dinckel und Michel Christian). Selbst der „Ostblock“ schien wegen des sowjetisch-chinesischen Zerwürfnisses immer mehr in verschiedene Lager zu zerfallen.[15] Doch betrafen diese Entwicklungen in beunruhigendem Maße auch das transatlantische Bündnis selbst: Als die einigende Klammer der Furcht vor der kommunistischen Bedrohung schwächer wurde, traten unterschiedliche Auffassungen und Interessen zwischen den USA und mehreren westeuropäischen Staaten stärker hervor.[16] Gleichzeitig hatte der Krieg in Vietnam die Unterstützung für die amerikanische Außenpolitik in Europa wie im eigenen Land geschwächt. Mit dem Erstarken der Proteste gegen den Vietnamkrieg schien in den Vereinigten Staaten jener „Cold War Consensus“ zerfallen zu sein, der auf einem positiven Selbstbild und antikommunistischer Eindämmungspolitik basiert hatte.[17] Die Rolle des Landes in der Welt schien damit neu bestimmt werden zu müssen, eine Reihe von alternativen Konzepten konnten jetzt Gehör finden, die von neo-isolationistischen und protektionistischen Tendenzen bis zu Forderungen einer offensiven „Außenpolitik der Stärke“ reichten.[18]
Auch für die sozialwissenschaftliche Beschäftigung mit der wachsenden Interdependenz hatten diese Entwicklungen gravierende Auswirkungen: Die evolutionäre und staatenbasierte Sicht des 19. Jahrhunderts wich nach und nach einer differenzierteren Interpretation, die jedoch wesentlich skeptischer auf die Konsequenzen dieser Veränderungen blickte. Den Anfang machte 1968 der Ökonom Richard N. Cooper, der in seinem Buch The Economics of Interdependence mit der bisherigen Beschreibung und Analyse der Weltwirtschaft als Austausch von Gütern und Geld zwischen national abgegrenzten Volkswirtschaften gebrochen und argumentiert hatte, solche Verbindungen müssten besser als grenzüberschreitend zirkulierende „Ströme“ („flows“) beschrieben werden. Internationale Verflechtung basiere nicht nur auf dem Austausch von Rohstoffen und Produkten zwischen national organisierten Industrien, der Produktionsprozess selbst sei mittlerweile grenzüberschreitend organisiert.[19]
Als zentrale Akteure galten in diesem Zusammenhang „multinationale Unternehmen“, deren Bedeutung in den 1960er und 70er Jahren intensiv diskutiert wurde. Wie ließen sie sich angesichts ihrer grenzüberschreitenden Organisation überhaupt noch staatlich regulieren und besteuern? Wie groß waren ihre Auswirkungen auf staatliche Macht und Souveränität?[20] Multinationale Unternehmen waren jedoch nur eine Art jener „transnationalen Akteure“, die Karl Kaiser 1969 prominent beschrieben hatte.[21] Solchen grenzüberschreitend tätigen Organisationen wurde ein steigender Einfluss auf die Weltpolitik zugesprochen. Damit stellte sich immer mehr die Frage, ob die Einteilung der Welt in nationalstaatlich abgegrenzte Gesellschaften überhaupt noch sinnvoll sei. Manche Politikwissenschaftler stellte darauf aufbauend die analytische Unterscheidung von Innen- und Außenpolitik entlang des Konzeptes der nationalen Souveränität grundlegend in Frage und begannen, die Weltpolitik als ein Geflecht verschiedener Ebenen von Netzwerken zu beschreiben.[22]
Die beiden in Harvard lehrenden Politikwissenschaftler Robert Keohane und Joseph Nye griffen viele dieser theoretischen Vorarbeiten auf und entwarfen in einer Art Synthese ihr Konzept der „komplexen Interdependenz“. In ihrem 1977 publizierten Buch Power and Interdependence –  World Politics in Transition argumentierten Keohane und Nye, in der gegenwärtigen „Ära der Interdependenz“ habe sich die Weltpolitik grundlegend verändert, es fehle jedoch ein theoretischer Rahmen, um diese Veränderungen methodisch sauber und reflektiert zu untersuchen. Diesen sollte das Konzept der „komplexen Interdependenz“ bereitstellen, das nicht nur Verflechtungen als solche, sondern auch die damit verbundenen Kosten, Verwundbarkeiten und Asymmetrien ökonomischer oder machtpolitischer Natur berücksichtigen und damit die Analyse der tatsächlichen politischen Folgen dieser Entwicklungen ermögliche sollte.[23]

Die „Geburtswehen der Interdependenz“ – Verflechtung als Problem politischer Steuerung

5 Leave a comment on paragraph 5 2 Akute politische Relevanz hatte dieses Thema besonders durch die erste „Ölkrise“ vom Oktober 1973 erhalten, in deren Umfeld eine Reihe der zuvor diagnostizierten Veränderungen zu kulminieren schienen. Die tatsächliche ökonomische Bedeutung dieser Ereignisse kann aus heutiger Sicht durchaus angezweifelt werden, ihre politische und symbolische Bedeutung für die Zeitgenossen in Nordamerika und Westeuropa war jedoch enorm: Sie machte zunächst deutlich, dass es sich bei den viel beschriebenen globalen Verflechtungen tatsächlich um Interdependenz, also wechselseitige Abhängigkeiten handelte. Denn den westlichen Industriestaaten war nun erstmals deutlich vor Augen geführt worden, dass sie Staaten der „Dritten Welt“ durch Preiserhöhungen und Rohstoffembargos ökonomisch empfindlich treffen konnten. Gleichzeitig schienen die Alleingänge mehrerer europäischer Staaten bei den Verhandlungen mit den Erdölproduzenten gezeigt zu haben, dass man sich im Extremfall nicht auf diese Verbündeten verlassen konnte. Drittens war Interdependenz damit von einem eher in akademischen Debatten verwendeten Begriff zu einem akuten politischen Problem geworden, schienen wachsende Verflechtung und damit einhergehende Komplexität doch die Steuerungsmöglichkeiten staatlicher Regierungen einzuschränken. Viertens waren die Schlangen vor amerikanischen Tankstellen schließlich ein deutliches Symbol dafür, wie globale Zusammenhänge, die zuvor eher als abstrakter Gegenstand von Zeitungsmeldungen oder wissenschaftlichen Diskussionen erschienen waren, das alltägliche Leben jedes US-Bürgers beeinflussen konnten.
Dementsprechend erzeugte die Ölkrise akuten politischen Handlungsdruck: Die Regierung Nixon legte ein „Project Independence“ auf, um durch Einsparungen und Entwicklung neuer Technologien bis zum Jahr 1980 energiewirtschaftlich autark zu werden.[24] Gleichzeitig ließ die krisenhafte Verdichtung der Ereignisse längerfristige Entwicklungen nun scheinbar plötzlich ins Bewusstsein von Politik und Öffentlichkeit treten: Für Außenminister Henry Kissinger waren die politischen Konsequenzen der Ölkrise ein Ausdruck der „Geburtswehen der Interdependenz“.[25] Das State Department beauftragte deshalb das Center for International Studies des Massachusetts Institute of Technology, die Entwicklung der „patterns of interdependence“ in einer multipolaren Welt zu analysieren, neue Methoden zu ihrer Bewertung zu entwickeln und damit auch Optionen aufzuzeigen, wie die amerikanische Politik reagieren könne.[26] Kissinger wollte allerdings die Multipolarisierung und Transnationalisierung der Welt nicht „managen“, wie es die Trilaterale Kommission gefordert hatte oder „neuen Akteuren“ eine Stimme geben. Initiativen wie die Weltwirtschaftsgipfel, aber auch die Entspannungspolitik mit der Sowjetunion dienten vielmehr der engeren Kooperation und Koordination zwischen staatlichen Regierungen. Dadurch sollten gemeinsame Antworten auf diese neuen Herausforderungen gefunden, aber auch der Einfluss der „Dritten Welt“ und „transnationaler Akteure“ so weit als möglich aus der Weltpolitik ferngehalten werden.[27]
Die Außenpolitik der Regierung Carter sollte sich dagegen explizit von der ihrer Vorgänger unterscheiden. Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski hatte sich bereits seit mehreren Jahren mit Fragen einer neuen internationalen Politik im „technotronischen Zeitalter“ auseinandergesetzt[28] und distanzierte sich nun von Kissingers „grundsätzlich pessimistischer Sicht“, „dass der Westen im Abstieg begriffen“ und „das beste was wir tun könnten, die Verhinderung von Wandel in zentralen Bereichen“ sei.[29] Die neue Regierung habe dagegen „die Realität der Komplexität und des Wandels“ akzeptiert und einen besonderen Schwerpunkt auf den Aufbau neuer Beziehungen „mit Freunden, mit Gegnern, mit den Entwicklungsländern, sogar mit der gesamten Welt“ gelegt – „in der Hoffnung, dadurch das internationale System zu erneuern“.[30]

Beharrung und Grenzen

6 Leave a comment on paragraph 6 1 Der Ansatz der Regierung Carter ist dementsprechend als „post-Cold War foreign policy“ beschrieben worden.[31] Die Deutung der Weltpolitik in den Kategorien des „Kalten Krieges“ war jedoch auch hier nie völlig verschwunden. In dem Maße in dem sich Ende der 1970er Jahre die internationalen Krisen häuften, konnte diese Denkweise wieder an Einfluss gewinnen. Besonders Sicherheitsberater Brzezinski wandte sich zunehmend von seinem selbst entworfenen Neuansatz ab und begann, die Sowjetunion wieder für den Großteil der internationalen Spannungen verantwortlich zu machen.[32] Entscheidender Bestandteil ihrer Attraktivität war die Tatsache, dass binäre Deutungen im Gegensatz zum Interdependenz-Paradigma die Komplexität der Welt auf ein politisch zu bewältigendes Maß zu reduzieren schien: Denn der Präsident könne ja kaum eine Rede halten, klagte Paul Kreisberg, stellvertretender Leiter des Planungsstabes des State Department, in der er die 14 dringendsten Probleme der Welt aufzähle und dann für alle eine Lösung im Angebot habe.[33]

7 Leave a comment on paragraph 7 4 Auch hier bedingten sich Weltpolitik und Weltdeutung gegenseitig: Die Glaubwürdigkeit der  Interdependenz-Diagnose war stark von den politischen Rahmenbedingungen der Entspannungspolitik abhängig; als diese ab Mitte der 1970er Jahre in die Krise geriet, erschien die auch blockübergreifende Verflechtung der Welt immer mehr als Wunschdenken, dichotomische Deutungsmuster wurden wieder einflussreicher. Die von der Interdependenz-Diagnose abgeleitete Annahme, es gebe in der Weltpolitik wesentlich wichtigere Themen als den Kalten Krieg, schien nun nicht mehr so überzeugend wie noch wenige Jahre zuvor.
Die erneute Verschärfung der Spannungen zwischen Ost und West in den 1980er Jahren wurde von vielen Zeitgenossen als eine Rückkehr überwunden geglaubter Verhaltens- und Deutungsmuster, mithin als „zweiter Kalter Krieg“ interpretiert.[34] Sie war jedoch nicht alleine die Folge unkontrollierbarer Eigendynamiken der internationalen Politik und ideologischer Beharrungskräfte, sondern aktiv betriebenes politische Projekt: In den Vereinigten Staaten hatte sich seit Ende der 1960er Jahre eine als „neokonservativ“ bezeichnete politische Strömung herausgebildet, die die im Rahmen der Entspannungspolitik gemachten Zugeständnisse an die Sowjetunion heftig kritisiert hatte.[35] Auf einer grundlegenderen Ebene handelte es sich dabei um eine Auseinandersetzung um die „richtige“ Deutung der Gegenwart: „Neokonservative“ Kommentatoren lehnten die Rede vom „Ende des Kalten Krieges“ ab, die Auseinandersetzung mit der Sowjetunion habe nur die Form gewechselt. Interdependenz-Diagnose wurden von ihnen durchaus geteilt, es sei jedoch naiv anzunehmen, dass wachsende Interdependenz zu einer friedlicheren Welt führen werde. Das Gegenteil sei der Fall, Chaos und Konflikt die wahrscheinlicheren Folgen.[36] Die Rede von der Interdependenz und dem Ende des Kalten Krieges sei gefährlich, denn sie schwäche den Zusammenhalt und den Verteidigungswillen der westlichen Allianz.[37] Die amerikanische Stärke lasse sich im Gegenteil am besten bündeln, wenn die gesamte Aufmerksamkeit wieder auf die zentrale Herausforderung gerichtet werde: den Konflikt mit der Sowjetunion.[38] Nach Ronald Reagans Wahlsieg im Jahr 1980 erlebte die binäre Deutung der Welt eine neue Blüte, verschiedenste Entwicklungen und Probleme wie der globale Terrorismus wurden auf den schädlichen Einfluss des „Evil Empire“ zurückgeführt.[39]

Wissenschaftlich-technische Revolution und „globale Probleme“ in der Sowjetunion

8 Leave a comment on paragraph 8 2 Während der Interdependenz-Begriff von der Regierung Reagan kaum noch verwendet wurde, erlebte er in der Sowjetunion unter Generalsekretär Gorbačev eine zweite Blüte. Er diente hier als Schlagwort für die Vision einer Politik, die die Sowjetunion als ein „normales“ Mitglied in die „globale Gemeinschaft“ wiedereingliedern wollte.[40]
Obwohl Interdependenz in der Sowjetunion erst in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre politikleitend wurde, hatten sowjetischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich bereits seit eineinhalb Jahrzehnten mit dem Begriff und damit verbundenen Phänomenen auseinandergesetzt. Die Theorie der Interdependenz war jedoch in den 1970er Jahren noch verworfen worden, weil sie antagonistische und ausbeuterische Aspekte der internationalen Beziehungen vernachlässige und den hegemonialen Ambitionen der US-Regierung diene.[41] Auch die Annahme, dass „transnationale Akteure“ und „multinationale Unternehmen“ eine immer größere Rolle in der internationalen Politik spielen würden, sei nichts weiter als der Versuch, staatliche Souveränität zugunsten weiterer kapitalistischer Expansion zu unterminieren.[42]
Die Inhalte der Interdependenz-Debatte wurden in der Sowjetunion dagegen durchaus aufgegriffen, verschiedene Autorinnen und Autoren passten sie zusammen mit ihren eigenen Beobachtungen in eine spezifisch marxistisch-leninistische Theorie der „wissenschaftlich-technischen Revolution“ ein: Ihre grundlegende Annahme war es, dass von wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen verursachte Veränderungen in der materiellen „Basis“ der „Produktionsbedingungen“ auch erhebliche Auswirkungen auf den politischen, ökonomischen und sozialen „Überbau“ hätten. Es handele sich dabei um ein globales Phänomen, das beispiellosen Wandel in den internationalen Beziehungen mit sich bringe.[43] Während sich daraus verschiedenste Schlussfolgerungen ziehen und unterschiedliche politische Handlungsempfehlungen ableiten ließen, war eine Mehrheit der sowjetischen Autorinnen und Autoren dieser Zeit überzeugt, die sich aus dieser „Revolution“ ergebenden „Probleme von wahrlich globalem Maßstab“ könnten nur durch verstärkte internationale Kooperation über Blockgrenzen hinweg gelöst werden.[44] Ironischerweise sollte damit gerade jenes Konzept, das von „Neokonservativen“ für die Schwächung des amerikanischen Verteidigungswillens verantwortlich gemacht worden war, Ende der 1980er Jahre erheblich zum Ende der weltpolitischen Ordnungskonkurrenz und zur Destabilisierung binärer Weltdeutungen beitragen.

Das Ende des „Kalten Krieges und der Aufstieg der „Globalisierung“

9 Leave a comment on paragraph 9 0 In den USA hatte der Interdependenz-Begriff mittlerweile Konkurrenz bekommen: Im Sommer 1983 hatte Theodore Levitt, Ökonom an der Harvard Business School, mit seinem Artikel The Globalization of Markets einen fortan überaus einflussreichen Begriff der Gegenwartsdiagnose geprägt. Der Begriff der „Globalisierung“ war dabei keineswegs neu, Levitt nutzte ihn aber jetzt, um einen technologisch-ökonomischen Prozess mit Akteursqualität zu postulieren, der einen „globalen Markt“ für Konsumgüter geschaffen habe und Unternehmen zwinge, zu „global corporations“ zu werden, die denken und handeln müssten „as if the world were one large market ­‒ ignoring superficial regional and national differences“.[45]

10 Leave a comment on paragraph 10 0 Gegenüber der Interdependenz hatte die Globalisierung als gerichteter Prozessbegriff den entscheidenden Vorteil, dass er den Entwicklungsaspekt der diagnostizierten Entwicklung bereits in sich trug und deshalb nicht mit Adjektiven wie „wachsend“ kombiniert werden musste. Zu ihrer heutigen Prominenz verhalf der „Globalisierung“ jedoch erst das endgültige Ende der Deutung der Welt in Kategorien des „Kalten Krieges“: Mit dem vermeintlichen „Sieg“ der Demokratie und des freien Marktes erlebten optimistische Zukunftserwartungen eine neue Blüte:[46] In einem Verständnis von Globalisierung als „Amerikanisierung“ der Welt konnten Modernisierungs- und Konvergenzthese in den 1990er Jahren ein Comeback feiern.[47] Zweitens stellte sich für viele Zeitgenossen die Frage, wie nach dem Ende der welthistorischen „Epoche des Kalten Krieges“ die Gegenwart auf einen Begriff gebracht werden könnte. Die anfängliche Ratlosigkeit, wie sie die Bezeichnung „post-Cold War Era“ ausdrückt, wurde bald vom „Zeitalter der Globalisierung“ abgelöst, dessen Beginn mit dem Ende des Kalten Krieges angesetzt wurde. Eine Werbung der Investmentbank Merrill Lynch behauptete 1998: „The World is 10 Years Old. It was born when the Wall fell in 1989“.[48]

Fazit

11 Leave a comment on paragraph 11 2 Anders als diese Aussage suggeriert, ist das Verhältnis von Deutungen der Welt in binären Kategorien des „Kalten Krieges“ und in Kategorien der Verflechtung im Zeichen von „Interdependenz“ und „Globalisierung“ wesentlich komplexer. Die Ordnungskonkurrenz zwischen Ost und West hatte in vielfacher Hinsicht globalisierende Konsequenzen,[49] deren Deutung ihrerseits nicht nur von „strukturellen“ Veränderungen und innerfachlichen Entwicklungen geprägt wurde, sondern auch in enger Wechselwirkung mit den sozio-politischen Zeitumständen stand: In Phasen relativer Entspannung verloren binäre Deutungen der Welt an Überzeugungskraft und wurden von Interdependenz-Diagnosen zunehmend überlagert. Diese bildeten wiederum den Rahmen für Versuche, Außenpolitik neu zu denken, deren praktische Umsetzung dann wieder in die Dynamiken der internationalen Politik eingebunden war. Diese ambitionierten Neuansätze scheiterten nicht selten an ihrem eigenen Bemühen, die Komplexität der Weltpolitik angemessen zu berücksichtigen; binäre Deutungen schienen eine sinnhafte Einordnung oft widersprüchlicher Beobachtungen wesentlich einfacher zu ermöglichen. Als diese ab Ende der 1980er Jahre endgültig nicht mehr auf die veränderten Realitäten zu passen schienen, beklagten viele Zeitgenossen die neue Unübersichtlichkeit der Weltpolitik, manche sehnten sich nach der vermeintlichen Stabilität des „Kalten Krieges“ zurück.[50] Neue Sinnstiftung ermöglichte dagegen die „Globalisierung“, die bald zum zentralen Epochensignum eines neuen „Zeitalter“ aufsteigen sollte.
Anders als zeitgenössische und auch spätere historiographische Deutungen nahelegen, sollten „Kalter Krieg“ und „Globalisierung“ damit nicht als aufeinanderfolgende Epochen oder sich gegenseitig ausschließende Phänomene betrachtet werden.[51] Denn diese Begriffe und die sich dahinter verbergenden Annahmen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind jeweils Manifestationen eines Denkstils, „der Welt in bestimmten Kategorien versucht(e) zu begreifen und zu ordnen“ (Einleitung dieses Bandes). Sie stehen als Chiffren für bestimmte Ordnungsvorstellungen, wurden in engem Bezug aufeinander verwendet und werden deshalb nur in ihrer wechselseitigen Interaktion verständlich. Damit stellt sich letztlich auch die Frage, ob wir seit 1989 wirklich in einer fundamental neuartigen Welt leben, oder ob sich nicht vielmehr unser Blick für zuvor vernachlässigte Phänomene geschärft und unsere Perspektive verschoben hat.

12 Leave a comment on paragraph 12 0  

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  • 13 Leave a comment on paragraph 13 1
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  • Nikoforov, Andrej V.: „Vzaimozavisimost’“ i global’nye problemy, in: SŠA: Ekonomika, Politika, Ideologija 10:7 (1979), S. 8–19.
  • Petrowski, Wladimir F.: Die „neue Weltstruktur“: Formeln und Realität, in: Gesellschaftswissenschaften 15 (1978) 3, S. 227–240.
  • Petrovskij, Vladimir F.: Buržuaznye vnešnepolitičeskie koncepcii i ideologičeskaja borʹba na meždunarodnoj arene, Moskva 1977
  • Podhoretz, Norman: Making the World Safe for Communism, in: Commentary 61 (1976) 4, S. 31–41.
  • Pozdnjakov, El’giz A.: Sistemnyj podchod i meždunarodnye otnošenija, Moskva 1976.
  • Reagan, Ronald: The New Network of Terrorist States, in: Terrorism: An International Journal 9 (1987) 2, S. 101–112
  • Reagan, Ronald: Remarks at the Annual Convention of the National Association of Evangelicals in Orlando, Florida, March 8, 1983, http://www.presidency.ucsb.edu/ws/?pid=41023 (22.8.2016).
  • Rosenau, James N. (Hg.): Linkage Politics. Essays on the Convergence of National and International Systems, London 1969.
  • Rostow, Eugene: Implications of October War and Echoes of the Rhineland, in: International Herald Tribune, 22.4.1974.
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  • Trilateral Commission: Statement of Purposes, in: Trialogue: A Bullettin of North American—European—Japanese Affairs, November 1973, No. 2, S. 1-3.
  • Vaïsse, Justin: Neoconservatism. The Biography of a Movement, Cambridge, Mass. 2010.
  • Vernon, Raymond: Sovereignty at Bay. The Multinational Spread of U.S. Enterprises, New York 1971.
  • Zaretsky, Natasha: No Direction Home. The American Family and the Fear of National Decline, 1968-1980, Chapel Hill 2007.

14 Leave a comment on paragraph 14 0 [1] Jimmy Carter: University of Notre Dame. Address at Commencement Exercises, Übersetzung MD.

15 Leave a comment on paragraph 15 0 [2] Trilateral Commission: Statement of Purposes, S. 1.

16 Leave a comment on paragraph 16 0 [3] Am prominentesten wohl Kissinger: An Age of Interdependence.

17 Leave a comment on paragraph 17 0 [4] Zur sozialen Konstruktion von „Globalität“ siehe Steger: The Rise of the Global Imaginary; Bartelson: The Social Construction of Globality.

18 Leave a comment on paragraph 18 0 [5] Dazu Torp: Weltwirtschaft vor dem Weltkrieg?

19 Leave a comment on paragraph 19 0 [6] Marx/Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, S. 463, 466, Hervorhebung MD.

20 Leave a comment on paragraph 20 0 [7] Etwa bei Spencer: Die Prinzipien der Soziologie.

21 Leave a comment on paragraph 21 0 [8] Zentral war hier Carr: The Twenty Years’ Crisis.

22 Leave a comment on paragraph 22 0 [9] Vgl. Gilman: Mandarins of the Future.

23 Leave a comment on paragraph 23 0 [10] Eindrücklich ist hier der starke Anstieg der Begriffsverwendung im englischsprachigen Korpus von google books von 1960 bis 1977. Siehe https://books.google.com/ngrams/ (28.11.2016).

24 Leave a comment on paragraph 24 0 [11] Eine wichtige Rolle spielte hier die wechselseitige Verwundbarkeit durch Nuklearwaffen. Siehe etwa Herz: International Politics in the Atomic Age.

25 Leave a comment on paragraph 25 0 [12] Vgl. Gleason: Totalitarianism.

26 Leave a comment on paragraph 26 0 [13] Damit gerieten besonders „Pluralismus“ und „Interessengruppen“ in der Sowjetunion in den Blick. Vgl. u.a. Skilling/Griffiths (Hg.): Interest Groups in Soviet Politics.

27 Leave a comment on paragraph 27 0 [14] Kennan: After the Cold War; Brzezinski: How the Cold War was Played; Anonym: Der Kalte Krieg ist tot; Asanov: „Cholodnaja Vojna“.

28 Leave a comment on paragraph 28 0 [15] Brzezinski: The Soviet Bloc.

29 Leave a comment on paragraph 29 0 [16] Siehe Leendertz, Ariane: Interdependenz, Krisenbewusstsein und der Beginn eines neuen Zeitalters.

30 Leave a comment on paragraph 30 0 [17] Vgl. dazu Zaretsky: No Direction Home.

31 Leave a comment on paragraph 31 0 [18] Siehe u.a. Kaplan (Hg.): Isolation or Interdependence?.

32 Leave a comment on paragraph 32 0 [19] Cooper: The Economics of Interdependence.

33 Leave a comment on paragraph 33 0 [20] Stellvertretend für diese Debatte Vernon: Sovereignty at Bay.

34 Leave a comment on paragraph 34 0 [21] Kaiser: Transnationale Politik.

35 Leave a comment on paragraph 35 0 [22] Vgl. Rosenau (Hg.): Linkage Politics. Die Welt als Netzwerk bei Burton: World Society.

36 Leave a comment on paragraph 36 0 [23] Keohane/Nye: Power and Interdependence, S. 4, 9, 12.

37 Leave a comment on paragraph 37 0 [24] Dazu Graf: Claiming Sovereignty in the Oil Crisis.

38 Leave a comment on paragraph 38 0 [25] Henry A. Kissinger: Opening Remarks S. 206.

39 Leave a comment on paragraph 39 0 [26] Eine Zusammenfassung ihrer in vier Bänden publizierten Ergebnisse in: The Department of State: Toward a Strategy of Interdependence.

40 Leave a comment on paragraph 40 0 [27] Zur US-Politik aus dieser Perspektive Sargent: A Superpower Transformed.

41 Leave a comment on paragraph 41 0 [28] Brzezinski: Between Two Ages.

42 Leave a comment on paragraph 42 0 [29] Zbigniew Brzezinski, NSC Weekly Report #83, December 28, 1978, Jimmy Carter Presidential Library, Atlanta.

43 Leave a comment on paragraph 43 0 [30] Zbigniew Brzezinski, NSC Report for 1977. A Critical Self-Appraisal, January 12, 1978, Jimmy Carter Presidential Library, Atlanta

44 Leave a comment on paragraph 44 0 [31] Schmitz/Walker: Jimmy Carter and the Foreign Policy of Human Rights.

45 Leave a comment on paragraph 45 0 [32] Vgl. Auten: Carter’s Conversion.

46 Leave a comment on paragraph 46 0 [33] Vgl. Interview mit Paul Kreisberg (13.6.1981), in: Melanson, Richard A.: American Foreign Policy, S. 107.

47 Leave a comment on paragraph 47 0 [34] Howard: Return to the Cold War?. Auf den Konstruktionscharakter des „zweiten Kalten Krieges“ hat bereits Halliday: The Making of the Second Cold War hingewiesen.

48 Leave a comment on paragraph 48 0 [35] Zu den „Neokonservativen“ vgl. u.a. Vaïsse: Neoconservatism.

49 Leave a comment on paragraph 49 0 [36] Rostow: The Agenda for Atlantic Action. Address before the Deutsche Gesellschaft fuer Auswaertige Politik, 5 November 1974, Eugene Victor Rostow Papers, Manuscripts and Archives, Sterling Memorial Library, Yale University, New Haven, CT.

50 Leave a comment on paragraph 50 0 [37] Siehe Rostow, Eugene: Implications of October War and Echoes of the Rhineland.

51 Leave a comment on paragraph 51 0 [38] Siehe Podhoretz: Making the World Safe for Communism.

52 Leave a comment on paragraph 52 0 [39] Reagan: Remarks at the Annual Convention of the National Association of Evangelicals in Orlando, Florida; Reagan: The New Network of Terrorist States.

53 Leave a comment on paragraph 53 0 [40] Dazu Clemens: Can Russia Change?.

54 Leave a comment on paragraph 54 0 [41] Siehe Petrovskij: Buržuaznye vnešnepolitičeskie koncepcii i ideologičeskaja borʹba na meždunarodnoj arene; Nikoforov: „Vzaimozavisimost’“

55 Leave a comment on paragraph 55 0 [42] Siehe Gantman, (Hg): Sovremennye buržuaznye teorii meždunarodnych otnošenij; Petrowski: Die „neue Weltstruktur“.

56 Leave a comment on paragraph 56 0 [43] Vgl. etwa Pozdnjakov: Sistemnyj podchod i meždunarodnye otnošenija. Für eine „konservative“ Interpretation der WTR siehe dagegen Mikulskii: Lenin’s Teaching of the World Economy.

57 Leave a comment on paragraph 57 0 [44] U.a. Arbatov: Stroitel’stvo kommunizma i mirovoi revoliucionnyj process; Faminskij: Vlijanie naučno-techničeskoj revoljucii na mirovoe kapitalističeskoe chozjajstvo; Zur Erforschung „globaler Probleme“ in der Sowjetunion u.a. Berger (Hg): Global’nye problemy.

58 Leave a comment on paragraph 58 0 [45] Levitt: The Globalization of Markets, S. 92. Zur Begriffsgeschichte siehe Bach, Olaf: Die Erfindung der Globalisierung.

59 Leave a comment on paragraph 59 0 [46] Am bekanntesten Fukuyama: The End of History and the Last Man.

60 Leave a comment on paragraph 60 0 [47] Dazu kritisch Cooper: Was nützt der Begriff der Globalisierung?

61 Leave a comment on paragraph 61 0 [48] Zit. in Friedman, Thomas L.: The Lexus and the Olive Tree, S. xvi.

62 Leave a comment on paragraph 62 0 [49] Siehe Lynn: Globalization and the Cold War.

63 Leave a comment on paragraph 63 0 [50] Siehe u.a. Mearsheimer: Why We Will Soon Miss The Cold War.

64 Leave a comment on paragraph 64 0 [51] Diese Sicht auch bei Iriye: Historicizing the Cold War.

Source: https://opr.degruyter.com/den-kalten-krieg-vermessen/martin-deuerlein-interdependenz/